Eine pädagogisch wertvolle Wut im Bauch

feng-shuiSo eine Erkältung hat ja durchaus auch was Gutes. Endlich Zeit mit ruhigem Gewissen im Bett zu liegen und zu lesen. Das Problem des bzw. der Pädagogin an sich ist allerdings, einen Anspruch zu haben: an SchülerInnen, KollegInnen, die Schule, die Politik, die Gesellschaft, die Rettung der Welt und darüber hinaus an sich selbst. Sehr viel Anspruch, so in Summe. Aber dieser Anspruch schlägt sich eben auch in der Freizeitliteratur nieder, die zwar freiwillig gelesen und bestenfalls verstanden wird, aber auch einen Anspruch erfüllen soll: sich zu informieren, sich weiterzubilden, sich vorzubereiten,… unendliche “sichs”.

Und da zeigt sich ein Sekundärproblem einer Erkältung: nicht nur liest und lernt man, sondern hat auch noch Zeit darüber nachzudenken. Hinterher betrachtet, war meine Auswahl an “Literatur” tatsächlich nicht intelligent, denn ich hätte schon vorher wissen müssen, dass ich in der Nachdenkphase einen wahnsinnigen Wutanfall bekomme.

Denn nachdem ich mich ausführlich den pädagogischen In- oder eher Outputs diverser, wenngleich anspruchsvoller (“Anspruch”, siehe oben) Medien gewidmet habe, muss ich feststellen, dass unser eigener Anspruch an uns ja nur eine absolute Lächerlichkeit gegen den Anspruch derer ist, die sich selbst als BildungsexpertInnen bezeichnen und uns PädagogInnen täglich kundtun, was wir wie warum wann zu tun haben. Inklusion, zielgerichteter Unterricht, Achtsamkeit, Methodenvielfalt, optimale Bildungsentfaltung,… die Liste ist endlos und gleicht einem Erstsemesterseminar, in dem den StudentInnen klar gemacht werden soll, dass die Zahl der pädagogischen Schlagwörter lang und zum größeren Verständnis einiger davon ein fundiertes Studium unerlässlich ist.

Und dann war er da, der Zorn, der sich seitdem nicht mehr legt, der größer wird, der kaum besänftigt werden kann. Was wollt ihr eigentlich alle von uns? Wir PädagogInnen leisten, wir kümmern uns, übernehmen eure Aufgaben, erziehen, wo ihr schon längst hättet erziehen sollen, lehren und vermitteln, wo ihr schon längst hättet vermitteln sollen, wir versuchen auszugleichen, nehmen an, setzen um und kommen eurer Meinung nach dennoch nie an!  Denn ihr seid unzufrieden, schreit, brüllt, werdet unverschämt, anmaßend, herablassend, aufgeblasen, besserwisserisch, selbstgefällig, einmischend. Und je mehr ich von euch lese, umso mehr hab ich den Eindruck, dass ihr alle, die ihr euch ExpertInnen nennt und da laut in die Welt hinaus brüllt, eines gemeinsam habt: keine Ahnung!

Aber wisst ihr was, liebe selbsternannte BildungsexpertInnen? Ich meine das gar nicht böse. Ihr habt keine Ahnung, weil ihr keine Ahnung haben müsst. Ihr seid keine PädagogInnen. Ihr seid keine LehrerInnen. Ihr seid keine Bildungsprofis. Ihr habt gar keine adäquate Ausbildung in diesem so komplexen Bereich. Ihr dürft also freien Herzens keine Ahnung haben. Die Ahnung haben wir. Das Wissen. Die Ausbildung. Die Geduld. Die Muße. Die Freude. Den Spaß. Wir sind die wahren Bildungsprofis und wir sind richtig gut. Richtig gut.

Und schon ist die pädagogisch wertvolle und politisch wertfreie Wut wesentlich kleiner. Nicht weil mein Ausbruch etwas ändern wird, sondern weil ich mich jetzt auf den nächsten Schultag freue. Auf eure Kinder, die allesamt von hochqualifizierten und vor allem echten BildungsexpertInnen geleitet, betreut und groß gemacht werden und die dabei gar nicht laut und anmaßend sind. Am besten ihr lasst uns in Ruhe – wir machen das schon!

 

#schoolanecdotes #schulanekdoten

shootimage2Got my “school-pictures” today. The children wanted to see them. Lots of “ohs” and “ahs”.

One girl:

You know, Sandra, you really look like a teacher!

Me:

Is this a compliment?

Girl:

…. hmmm… hmpf…!

No answer is answer enough! THANX! :-(

 

Eine Ode ans Nixtun!

WolkenNichtstun! Gar nix! Überhaupt nichts. Kein Ballett, kein Sport, keine Nachhilfe in der dritten Fremdsprache, kein Playdate (das ist Neudeutsch für “Spielen mit Freunden”), keine Reit-, Golf- oder Tennisstunde. Einfach nichts.

Ist uns bewusst, dass unsere Kinder das gar nicht mehr können? Dass unsere Kinder einen Terminkalender haben, der dem eines Vorstandsmitglieds eines mittelständischen Betriebs gleicht (ich weiß das, ich war da schon)?

Kinder wollen gefördert und gefordert werden. Stimmt. Sehe ich auch so.

Aber!

Unsere Kinder sind so sehr an ihre Agenda gewöhnt, dass sie ganz unrund laufen, wenn da nix eingetragen ist. Vergessen? Versäumt? Was ist da los?

Ich appelliere, dass wir unseren Kindern regelmäßig und immer öfter nix und nichts in den Timetable eintragen. Kinder müssen in der Lage sein, nichts zu tun.

Denn dieses Nichts ist ja gar kein Nichts. Es ist träumen, Wolken anschauen, Regentropfen zählen, Geschichten ausdenken, nachdenken, dem Gras beim Wachsen zuschauen, die Blätter der Bäume zählen. Dieses Nix ist großartig.

Und wenn wir Erwachsenen das Nichts nicht schaffen, dann geben wir doch wenigstens unseren Kindern eine Chance dafür. Und sie werden uns dann von diesem Nichts erzählen. Und wir werden eine Wahnsinnszeit miteinander haben.

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